Wie läuft die Olivenöl-Verkostung ab?

 

In unserer FEINSCHMECKER-Datenbank sind über 2000 Adressen von Olivenöl-Produzenten aus aller Welt gespeichert. Jeder dieser Produzenten wird von uns im November eingeladen, uns sein Öl zur Verkostung zu schicken. Von jedem Teilnehmer erhalten wir zwei Flaschen Olivenöl – eine für die Verkostung, die andere zum Fotografieren. Da wir stets „blind“ verkosten, uns also Erzeuger und Herkunftsland verborgen bleiben sollen, wird jede Ölflasche mit einer Codenummer gekennzeichnet. Anhand der Nummer und des Verkostungsergebnisses wählen wir die Öle für die Bestenliste aus und vergeben die Olio Awards in verschiedenen Kategorien.

 

Bei jedem Test werden zwischen 750 und 1000 Olivenöle innerhalb einer Woche verkostet. Die internationale Jury arbeitet dabei in drei bis vier Gruppen. Täglich probiert jeder Tester bis zu 50 Olivenöle. Am letzten Tag dieser Testrunde muss jeder Juror noch einmal die besten ca. 50 Olivenöle gegeneinander probieren, um die Gewinner des Olio Awards festzulegen.

 

Die Olio Awards

Jedes Olivenöl wird anhand der Fruchtintensität, der Komplexität der Aromen, des Geschmacks und der Harmonie bewertet und erhält eine abschließende Punktebewertung (maximal 10 Punkte). Für die OLIO-Awards werden die Öle mit den höchsten Wertungen (ab 8,8 Punkte) in drei Gruppen eingeteilt: leicht/mildfruchtig, mittelfruchtig und intensiv fruchtig. In jeder dieser Kategorien vergeben wir den 1. bis 3. Platz.


Länder-Awards: Hervorragende Öle aus wichtigen Olivenöl-Anbauländern, die es nicht in die ersten drei Kategorien schafften, können einen „Länderpreis“ erhalten. Im diesem Jahr (2009) etwa gewinnt „Château d’Estoublon“ den Preis für das beste Öl aus Frankreich. Der Preis für „Newcomer des Jahres“ geht an neue Länder, die mit großer Qualität auf sich aufmerksam machen. In diesem Jahr ist es der Syrer Rai mit dem Öl „Al Motawasset“. Die OLIO-Awards der vergangen Jahre können Sie auf dieser Seite finden: www.der-feinschmecker-club.de/go/olio.

 

So wird Olivenöl verkostet

Beim FEINSCHMECKER-Olivenöltest wird wie bei anderen internationalen Öl-Wettbewerben auch verkostet: Das Öl wird in kleinen Bechern ausgeschenkt. Die Becher werden in der Hand gedreht, um das Öl etwas zu erwärmen. Zunächst wird das Bukett des Öls geprüft: Wie intensiv sind die Aromen? Erinnern sie mehr an Früchte oder an Kräuter und Gras? Dann nimmt man beherzt einen Schluck Öl in den Mund, spült damit den ganzen Gaumen aus, um Süße, Säure, Bitternoten und weitere Geschmacksaromen oder auch Fehler zu erkennen. Die Farbe des Öls spielt keine Rolle – daher werden in offiziellen EU-Verkostungen auch genormte blaue Gläser verwendet. Wer zu Hause Öle testen möchte, kann hier den Verkostungsbogen in deutscher Sprache herunterladen.

 

Die wichtigsten Fehler bei Olivenölen

Ranzig – das Öl riecht tranig oder nach Speck. Es wurde falsch gelagert (zu warm und zu hell) oder das Öl ist zu alt. Oft entsteht Ranzigkeit durch überreife Oliven, die vor dem Pressen zu lange am Boden gelegen haben.

Weinig – das Öl riecht säuerlich nach Wein oder Essig. Der Fehlton entsteht durch unsaubere Verarbeitung der Oliven in der Mühle.

Muffig – das Öl riecht nach alten Lappen, Jutesäcken usw. Entsteht durch unsaubere Verarbeitung der Oliven, zum Beispiel durch unsaubere Pressmatten.

Schlammig/Sediment – das Öl riecht unnatürlich nach Most, überreifem Obst oder auch Kakao oder Kamille. Entsteht durch falsche Lagerung und Verarbeitung des ungefilterten Olivenöls.

Stichig – Fehltöne aller Art sind Aromen, die im Olivenöl nichts zu suchen haben. Zum Beispiel: Kaffee, Kakao, Seife, Metall, Tannengrün, erhitztes Gummi, Räucherschinken, Essig.

All diese Fehler führen automatisch zum Urteil „0 Punkte“. Gemäß Verordnung der Europäischen Union für Olivenöl darf Olivenöl mit einem dieser Fehler NICHT als „Olivenöl extra nativ“ verkauft werden.



Flaschen-Arrangement
olio award 2009